Verfolgungswahn auf einer wunderschönen Insel

Vier Wochen haben wir nun auf unserem Lockdown Platz verbracht. Die Zeit war ausgefüllt mit Reparaturarbeiten, diversen Backaktionen im Omnia…

… und schönen Spaziergängen. Aber auch sonst gab es viel zu sehen.

Der vierbeinige Teil des Teams hat sogar eine Zornnatter entdeckt und uns damit einen Schrecken eingejagt. Doch sie war noch zu steif von der Kälte der Nacht, als das sie auf die neugierige Nase so schnell hätte reagieren können.

Der weibliche Teil des Teams konnte mal wieder einen fantastischen Sonnenaufgang erleben und auf Bild festhalten.

Alles in allem war es ein schöner Ort zum Verweilen, doch so langsam zieht es uns dann auch weiter. Die Feiertagsregeln sind wieder aufgehoben, die Zone wieder Gelb und so starten wir durch. Weit kommen wir am ersten Tag noch nicht, aber es ist schön mal wieder was anderes zu sehen.

Das schöne, sonnige Wetter nutzen wir dann auch gleich fürs erste Grillen des Jahres.

Wir tingeln die Westküste Richtung Norden und erkunden bei Nebida die „Laveria Lamarmora“. Unzählige Treppen führen steil nach unten und wir stöbern durch die Reste der Waschanlage für Mineralien.

Ziemlich mittig im Bild, wo der hintere Fels aufhört ist der „Pan di Zucchero“ zu sehen

Ein Phänomen, dass wir ja schon kennen, ist hier in Italien besonders ausgeprägt. Egal wo wir mit unserer Beule auftauchen, wir erregen meist ziemlich schnell die Aufmerksamkeit der Anderen. Viele machen nur schnell ein paar Bilder und verschwinden wieder. Andere umkreisen den LKW und analysieren ihn. Die wenigsten suchen den direkten Kontakt aber wenn, dann wird sich schon mal unter die Stoßstange geschmissen und der männliche Teil des Teams darf mit dem Handy Fotos vom Besitzer desselben machen. Auf so einem Parkplatz sind wir sogar interessanter als gewisse Aktivitäten eines Pärchens 6 Autos entfernt… Das ist übrigens auch so eine Sache. Intimes Beisammensein im Auto auf öffentlichen Plätzen scheint hier auch so eine Art Volkssport zu sein.

Und dann ist da ja noch immer dieses Problem mit dem Müll, den wir hier auf Sardinien nur schwer los werden. Deshalb war die Freude groß, dass auf diesem Platz ein riesiger Container steht. Aber zu einfach gedacht, man benötigt eine Karte, um die Türen öffnen und den Müll einschmeißen zu können. Das hatten wir so nun auch noch nicht erlebt. „Zum Glück“ für uns war eine Türe herausgebrochen, so dass wir trotzdem unseren Müll entsorgen konnten. Ansonsten packen wir kleine Tüten und entsorgen diese in den kleinen Mülleimern, die ab und zu neben Parkbänken stehen. Und ganz ehrlich, wir kommen uns immer noch wie Verbrecher dabei vor, als ob wir etwas Verbotenes tun.

„Pan di Zucchero“ Italiens Zuckerhut

Mit einem kurzen Zwischenstopp am Porto Flavia, mit Blick auf den Pan di Zucchero (Zuckerhut)…

…steuern wir unseren nächsten Übernachtungsplatz an. Wir genießen die Sonne und die Ruhe der Nebensaison.

Wir lassen es uns auch schon mal gut gehen…

Wir stehen meist länger als eine Nacht am gleichen Ort und eigentlich scheint das auch niemanden weiter zu stören. Bis jetzt…

Am nächsten Platz erleben wir ein kleines nächtliches Abenteuer. Nachts um 01:11 Uhr bekommen wir Besuch. Es ist auf einmal taghell in Beule. Fette LED Suchscheinwerfer leuchten in unser großes „Wohnzimmerfenster“. Ein Auto dreht auf dem Parkplatz ein paar Schleifen, aufblenden, abblenden in unregelmäßigen Abständen. Wir bleiben geduckt liegen und beobachten das Treiben, mit einer gewissen Vorahnung. Dann hält das Auto genau längs neben uns und macht das Blaulicht an… OK, denken wir, das war’s jetzt mit dem Schlaf. Gendarmerie, raus aus den Federn und Abmarsch… Christian rappelte sich schon auf und will aufstehen, da gehen alle Lichter wieder aus und sie fahren davon. Weiter schlafen. Der männliche Teil des Teams wollte am nächsten Morgen sowieso früh aufstehen und der Wecker war auch schon auf 7:00 Uhr gestellt. Der weibliche Instinkt im Team meldete sich zu Wort: Die kommen bestimmt wieder! Der Frühstückstisch ist gedeckt, der Tee gekocht und die Brotscheiben toasten gerade vor sich hin… Tata: Besuch die Zweite! Zwei junge Beamte weißen uns freundlich darauf hin, dass hier kein Camp-Areal sei. Wir möchten bitte fahren, sofort. Wenn wir noch bleiben und erst noch frühstücken, müssen sie uns aufschreiben. Ach nö, wir verstauen schnell alles und fahren zur Hauptstraße, wo wir auf einem breiten Stück neben der Straße das Frühstück nachholen.

Im nächsten Ort wollen wir unsere Tanks mit Wasser auffüllen, damit wir am nächsten Strand wieder länger verweilen können. Kaum das Ortsschild hinter uns gelassen, ein 30er Schild passiert, sehen wir weiter vorne Gendarmerie stehen. Bitte nicht schon wieder. Doch tatsächlich, wir kommen näher, er wackelt mit der Kelle, aber kurz vor uns salutiert er und die zwei winken noch Mal. Es war unser Besuch von vorhin. Einmal durch den Ort durch, Wasser an einem Brunnen aufnehmen und zurück. Alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei! An einer Engstelle im Ort kommen uns exakt unsere zwei Lieblingscarabinieris entgegen. Daraufhin ziehen wir uns, ca 8km von der Hauptstraße entfernt, an einen Strand zurück und hoffen auf eine ruhige Nacht. Zumindest steht hier kein extra Schild, dass campen untersagt ist.

Bei 17°C machen wir einen Strandspaziergang, nur der Wind bläst schon wieder ziemlich dolle und treibt auch ein paar Regenwolken vor sich her…

Mit den Regenwolken kommen auch schlechte Neuigkeiten zu uns. Sardinien wird zur orangen Zone. Kein Problem, Reserven an Wasser und Lebensmitteln sind aufgefüllt und es gibt schlechtere Orte, um für 14 Tage stehen zu bleiben. Wir richten uns ein und machen es uns gemütlich.

Nur sieht das die „Corpo Forestale“ (Naturpolizei) anders. Nach nur 4 Nächten bekommen wir gegen 17:00 Uhr mal wieder Besuch, mit der Bitte den Platz zu verlassen und nach Oristano zu fahren. Die Stadt ist 90km entfernt und dafür, dass das Reisen zwischen den Gemeinden verboten ist, ganz schön weit. Das hatte jetzt nichts mit der orangen Zone oder Corona zu tun, sie wollten uns einfach nicht in ihrem Revier haben und deshalb mussten wir weiter ziehen. Wir müssen wieder betonen, dass alles sehr freundlich ablief. In Oristano haben wir erst einmal auf einem kleinen kostenlosen Stellplatz Zuflucht gefunden.

Doch da die Sarden die orange Zone nicht ernst nehmen, weil sie die Hochstufung nicht verstehen und somit auch nicht akzeptieren, fahren auch wir nach ein paar Tagen wieder weiter. Nach zwei weiteren Übernachtungen finden wir ein schönes Plätzchen hinter einer kleinen Kirche. Wir versuchen uns so gut es geht zu verstecken und genießen den aufkommenden Frühling.

Doch es kommt wie es kommen muss. Nach der zweiten Nacht, der weibliche Teil des Teams steht noch im Bad, kommen die Carabinieris vorgefahren. Man könnte schon fast die Vermutung haben, dass wir überwacht werden… Also begibt sich der männliche Teil des Teams nach draußen und trifft auf gleich drei Gesetzeshüter. Nach kurzem Hin und Her möchten sie unsere Papiere sehen und wir werden über Funk gecheckt. Mittlerweile ist auch der weibliche Teil des Teams dazugestoßen und wir versuchen mit dem Beamten der bei uns geblieben ist eine Unterhaltung zu führen. Wir werden darauf hingewiesen, dass es dort vorne Wasser gibt, falls wir welches benötigen. Fragen werden gestellt wie: Seit wann wir auf Sardinien sind, wie es uns gefällt, ob wir Fisch mögen und ob wir schon am See angeln waren? Hmmm, eine Fangfrage? Aber nein, die Beamten sind wieder mal sehr freundlich und als mit unseren Papieren alles in Ordnung ist, verabschieden sie sich auch schon wieder. Wir schauen uns verdutzt an und fragen schnell noch nach, ob es in Ordnung ist, wenn wir hier stehen bleiben. Aber klar, kein Problem. You are welcome! Also haben wir nun die offizielle Erlaubnis und bleiben eine volle Woche an diesem herrlichen Ort, bis die Zone von Orange wieder zu Gelb wechselt.

Wir erleben einen riesigen, lauten Vogelschwarm,

sehen unsere erste Gottesanbeterin die ganz entspannt auf dem Hosenbein des männlichen Teils des Teams herumläuft,

benutzen endlich die Fahrräder wieder und Ole outet sich als „Weißer Hai“.

Im rechten Bild ist links die normale Strasse zu sehen und rechts ist die Auffahrt zu einer autobahnähnlichen Staatsstrasse.

Dum dum, dum dum, dum dum,
der weiße Hai

Wir ziehen wieder weiter, füllen unsere Lebensmittel auf und folgen dem Navi zum nächsten Ziel.

Und wie das so ist, wenn der weibliche Teil des Teams mal wieder mit dem Navi diskutiert: man steht vor einer „Einfahrt Verboten“ Straße, aus der ein Carabinieri Auto raus kommt… Sie bleiben abwartend stehen und lassen uns den Vortritt. Kurz entschlossen biegen wir ganz legal nach links den steilen Berg hoch ab. Ihr könnt euch denken was jetzt kommt? Natürlich kommen sie hinter uns her. Unser Navi hat die Route korrigiert, wir fahren eine Schleife und da warten sie auch schon auf uns. Mit dem Google Übersetzer geben wir ihnen gleich zu verstehen, dass wir uns verfahren haben. Nach kurzem hin und her, wo wir denn hin wollen und was wir denn da wollen, sollen wir ihnen folgen.

Das machen wir dann auch, in der Hoffnung, dass sie uns den Weg zeigen wollen und sie uns nicht zur nächsten Polizeistation bringen.

Entgegen kommender Verkehr wird durch fahren in der Mitte der Fahrbahn nicht nur genötigt zur Seite zu fahren, sondern es wird darauf bestanden, dass er rückwärts zur nächsten Lücke fährt, um für uns genug Platz zu schaffen.

Auch ein LKW Verbotsschild mit 3,5t stellt keine Probleme mehr dar.

Jedenfalls haben sie uns auf recht kurzem Weg durch die Häuser gelotst und uns wieder auf den rechten Weg gebracht. Es war zwar unnötig, aber trotzdem DANKE.

Uns zieht es jetzt mal wieder zurück zum Meer und ein toller Stellplatz ist auch bald gefunden. Das Wetter ist noch bedeckt und windig, aber das soll sich in den nächsten Tagen ändern.

Leider ist da die Ungeduld beim weiblichen Teil des Teams und so werden die ersten Sonnenstrahlen für einen Drohnenflug genutzt. Doch in unserer Bucht trügt der Schein und es ist gar nicht so windstill wie es sich anfühlt. Die Drohne kämpft gegen den Wind an und gibt alles, doch leider schafft sie den Weg nicht mehr zurück und setzt zur Notlandung an. Ca. 200m vom Land entfernt geht sie baden und wird zur Tauchdrohne. Sie macht nun schöne Unterwasserbilder für Neptun.

Um noch ein wenig Salz in unsere Wunden zu streuen, ist es natürlich am nächsten Tag windstill mit dem schönsten Sonnenschein.

Wir kauen noch ein wenig am Verlust der Drohne, als uns bei einem Abendspaziergang Ole neue Sorgen beschert.

Eben flitzt er noch voller Lebensfreude über den Strand, kommt auf uns zugelaufen, erschnuppert noch was Tolles im vorbei laufen, will sich drehen, lässt aber das linke Bein stehen und verdreht sich somit das Schultergelenk. Starkes humpeln war das erste Ergebnis. Am nächsten Morgen ging gar nichts mehr und somit fiel die Entscheidung einen Tierarzt aufzusuchen. Erste Diagnose durch den Orthopäden und durch eine Röntgenaufnahme bestätigt, kein Bruch.

Wahrscheinlich hat er sich den Bicepsmuskel, welcher durch das Gelenk von Schulterblatt und Oberarmknochen geht, stark überdehnt. Laut Tierarzt ist dies sehr schmerzvoll und kann bis zu 6 Monate dauern bis es komplett abgeheilt ist. Durch seine Vorgeschichte ist die Gabe von Schmerzmittel bei ihm sehr schwierig, deshalb bekommt er eine Spritze mit morphinähnlichem Inhalt. Eine zweit Spritze bekommen wir ganz unbürokratisch mit und so ist es die Aufgabe vom männlichen Teil des Teams ihm diese nachts noch zu spritzen.

Am nächsten Morgen kann er ganz leicht den Fuß wieder benutzen, aber außer schnell „Geschäfte“ erledigen, geht selbstverständlich noch nichts. Aber immerhin. Jetzt bekommt er noch Tabletten (Tramadol) und wir warten die Entwicklung auf dem Parkplatz in der Nähe der Praxis ab.

Betteln geht schon recht bald wieder, natürlich mit Erfolg.

Nachdem wir nach ein paar Tagen ein zweites Mal den Tierarzt aufgesucht haben, da jetzt eine Schwellung am Gelenk des anderen Beins aufgetreten ist, verlassen wir den Parkplatz und fahren zurück zu unserem allerersten Platz hier auf Sardinien. Hier ist es ruhig, schön und immer noch in guter Reichweite zum Tierarzt, falls noch mal etwas sein sollte.

Doch unser Ole ist ein Kämpfer. Nachdem er Durchfall bekommen hat, haben wir früher als geplant die Tabletten wieder abgesetzt. Und siehe da, eine Woche nachdem das Missgeschick passiert ist, haben wir Mühe ihn ruhig zu halten und er ist schon wieder so fix unterwegs, dass wir kaum hinterher kommen.

Längere Wege gehen selbstverständlich noch nicht, aber wir sind sooo glücklich. Nun können wir den Platz hier richtig genießen.

Wir machen Bekanntschaft mit lustigen Meeresbewohnern…

und genießen die schönen Sonnenuntergänge.

Heute stehen wir genau seit einer Woche hier am Platz. Wir überlegen wie es weiter geht, da sich in Italien gerade eine dritte Coronawelle ankündigt und die Mutation des Virus auch vor Italien nicht halt macht. Mal sehen wie sich alles entwickelt!

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