Gleich nach der Post kam der Wahnsinn in Gestalt von Covid-19, oder Herausvorderung Krankheit auf 9,5 m²

Endlich kam die erlösende Nachricht: Eure Pakete sind da! Yipppieh

Nachdem wir zwei weitere Stauseen bereist hatten, warteten wir nur auf diesen einen Satz. So war die Route auch schnell eingegeben und am nächsten Tag ging es Richtung Jerez de la Frontera.

Ein ganz lieber Mensch, mit Namen Walter, hat unsere Pakete angenommen. Er war uns völlig unbekannt, gefunden haben wir ihn durch Facebook, wir haben ihm Vertrauen entgegengebracht und wurden reich entlohnt. Das gibt es tatsächlich auch noch. Wir wurden herzlich empfangen und zum Essen in ein Restaurant eingeladen. Mit dem Auto ging es zum Einkaufen und in das ca. 30km entfernte Cádiz zum Sightseeing. „Schließlich kommt ihr hier nicht mit dem LKW hin, ist zu eng hier und Cádiz muss man einfach gesehen haben“ war seine Aussage und seine Motivation. Einem Sonnenuntergang am Meer folgte dann das Nachtleben in Jerez de la Frontera. Mit verschiedenen Mini-Baguettes und ausreichend Bier ließen wir den Abend ausklingen.

Am nächsten Tag half er uns nochmals mit seinem Auto, um schnell von einem Ort zum Anderen zu gelangen und dann verabschiedeten wir uns voneinander. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er uns noch länger da behalten. Unter anderen Umständen gern, keine Frage! Aber wir haben doch ein Ziel, wir wollen doch nach Afrika.

Also schreiben wir uns eine Einkaufsliste und starten unseren Großeinkauf für Afrika. Nudeln, Milch, Butter, Pfefferminztee, Haferflocken, Käse, Wurst, Saft…Bier, Bier und …hatte ich Bier schon erwähnt? Alles in größeren Mengen, schließlich soll es ja in Marokko eine Weile reichen. Hätten wir zu diesem Zeitpunkt schon gewusst was kommt, man hätte uns als „Hamsterkäufer“ verurteilt. In El Puerto de Santa Maria finden wir schließlich unseren Übernachtungsplatz und verstauen die Einkäufe. Wir nutzen fast jeden freien Platz…

Das war am Freitag den 06.März 2020. Am Samstag wacht der weibliche Teil des Teams mit starken Hals- und Kopfschmerzen auf, der Husten lässt nicht lange auf sich warten, die Stimme ist weg. Nach dem Frühstück geht es zurück ins Bett. Eigentlich war geplant innerhalb der nächsten 2 Tage nach Marokko überzusetzen. Das ging nun nicht mehr. Da wir ja durchaus das Weltgeschehen verfolgen, wussten wir auch um Covid-19 Bescheid. Somit war uns auch klar, dass wir mit diesen Symptomen auf keine Fähre gehen wollen, um keinen anzustecken. Wahrscheinlich hätte man uns sowieso aussortiert.

Nicht schlimm, wir haben Zeit, die Sache wird auskuriert und dann geht die Reise weiter. Doch dann Überschlagen sich die Ereignisse in der Welt.

Anstelle von uns geht jetzt das Coronavirus auf die Reise und erobert gleich die ganze Welt!

Die Fährverbindung nach Marokko wird eingestellt, keine Möglichkeit mehr für uns noch nach Afrika zu kommen. Also fällt bei uns die Entscheidung zurück nach Portugal, an unseren letzten Stellplatz am Grenzfluss, zu fahren. Wir machen uns auch gleich auf den Weg, mit kurzem Stopp im Einkaufszentrum, um nochmals Vorräte einzukaufen. Auch wenn wir dachten, wir hätten schon jeden Platz ausgenutzt, so fanden wir doch noch Ecken die wir nutzen konnten. Am Freitag den 13.März 2020 kamen wir nachts auf unserem Stellplatz an, morgens wollten wir dann noch mal umparken, auf eine schöne, versteckte Wiese etwas oberhalb.

Am Samstag wacht der männliche Teil des Teams mit starken Halschmerzen und ohne Stimme auf, auch der Husten lässt nicht lange auf sich warten…Was soll ich schreiben? Er hat sich lange und tapfer gehalten, aber jetzt hat es uns doch beide erwischt. Von Umparken ist keine Rede mehr… Wir verbringen die meiste Zeit im Bett und versuchen uns gegenseitig um den anderen zu kümmern. Eine kleine Herausforderung auf 9,5 Quadratmetern. Egal ob es nervt, wenn der andere hustet oder schnieft, röchelt oder mitten in der Nacht aufsteht und Tee kocht, mehr Platz gibt es nicht und da müssen wir durch. Schlafen geht meist nur irgendwie im Sitzen, im Liegen wird gehustet bis man fast die Lunge ausspuckt… nicht schön! Und jeden Tag gibt es neue, erschreckende Meldungen in der Welt. Die spanischen Grenzen schließen kurz nachdem wir raus sind, in Portugal wird der Alarmzustand ausgerufen… wir beschließen am Donnerstag den 19. März unseren Standort zu wechseln und fahren auf die Wiese oberhalb, wo uns keiner mehr so leicht entdecken kann.

Am rechten Bildrand sind Ruinen. Findet ihr uns?

Lebensmittel reichen uns für mindestens die nächsten 3-4 Wochen, mit unserem Frischwasser gehen wir sparsam um. Am Freitag sammeln wir Regenwasser und füllen einen unserer Wassertanks zu 50% wieder auf.

Ziel ist es, so lange wie möglich nicht von diesem Platz weg zu müssen. Wir wollen nach wie vor niemanden anstecken, deshalb bleiben wir isoliert. Des weiteren meiden wir die Öffentlichkeit, damit uns niemand wegschicken kann. Wir erhalten Meldungen von Reisenden, die zurück nach Deutschland müssen, weil ihre Auslandskrankenversicherung gekündigt wurde… Pandemie war nicht mitversichert! Wer bitte schön rechnet auch mit so was? Unsere Versicherung bleibt zum Glück bestehen. Immer neue Meldungen stürzen uns in eine Berg- und Talfahrt der Gefühle. Hier bleiben und aussitzen, zurück fahren und bei den Eltern sein, was ist besser?

Wir überlegen jeden Tag aufs Neue. Was für verrückte Zeiten…

Ob wir nun eine Erkältung, Grippe oder doch vielleicht Covid-19 hatten werden wir wohl nicht herausfinden. Nach knapp 3 bzw. 2 Wochen geht es uns nun aber schon wieder so gut, dass wir etwas längere Spaziergänge machen können und auch sonst das Leben auf unseren 9,5m² und unserer kleinen Wiese wieder weiter geht.

In diesem Sinne, passt auf euch auf, bleibt zu Hause und vor allem BLEIBT GESUND !

2 Gedanken zu „Gleich nach der Post kam der Wahnsinn in Gestalt von Covid-19, oder Herausvorderung Krankheit auf 9,5 m²

  1. Hallo Claudia, hallo Christian.

    Ich hoffe, ihr habt die chaotische Corona-Zeit gut überstanden. Hier bei uns wird es langsam wieder normaler. SchlangenmacherTreffen wurde dennoch abgesagt.
    Söhnke und ich wollte Mitte Juni nach Kaliningrad. Aber die Grenzen von Polen nach Russland sind weiterhin geschlossen. So waren wir mit Ello nur in Zittau als „Fernziel“, über Torgau und dann die ledgendäre B96 über Bautzen . Wobei… legendär ist die „Traumstraße der DDR“ nicht mehr. Bestenfalls auf den Nebenstrecken … In Zittau waren wir dann vor dem Werkstor der RoburWerke. Da ist alles verfallen . Aber für ein Foto hat es noch gereicht. /// Mannj und Rosi sind grade an der Müritz. Wir halten immer lockeren Kontakt.
    Ich wünsche euch weiterhin alles Gute und last mal von euch hören .
    Viele Grüße , Andrea & Söhnke & Ello

    1. Hallo ihr Lieben,
      danke für eure Nachricht. Uns geht es soweit gut. Wir sind ja nun doch zurück in Deutschland und kümmern uns um die Eltern.
      Viele Grüße, Claudia und Christian mit Ole

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